Marcos Dienstwagen: BMW Driving Experience M4 DTM

2016 ging es für Marco Wittmann mit einer neuen Livery und einer ordentlichen Portion Ehrgeiz in die neue DTM-Saison. Das Ziel: die Rückeroberung des DTM-Titels. Nachdem Wittmann zuvor zwei Jahre erfolgreich im Ice-Watch-Design in der Tourenwagenserie gestartet war, wurde nun die blaue Red Bull Livery zu seinem Erkennungszeichen und mit dieser sorgte er von Beginn an für Furore. Bereits am zweiten Rennwochenende in Spielberg fuhr er zum Sieg. In Moskau und am Nürburgring folgten die Saisonsiege zwei und drei. Beim großen Finale in Hockenheim wurde es noch einmal richtig spannend, doch der BMW Pilot behielt einen kühlen Kopf und krönte sich nach 2014 zum jüngsten zweimaligen DTM-Champion aller Zeiten. In der Saison 2018 geht Marco Wittmann in den legendären BMW M Farben an den Start. Von der Motorhaube bis zum Heckflügel: Hier erfahren Sie alles über Marco Wittmanns Dienstwagen, den BMW Driving Experience M4 DTM.

Entwicklung

Bereits lange vor Beginn der DTM-Saison 2013 begannen die BMW Motorsport Ingenieure damit, sich mit 2014 und der Entwicklung des neuen BMW M4 DTM zu beschäftigen. Am 22. April – also 13 Tage vor dem Saisonauftakt 2013 in Hockenheim – feierte das erste Modell seine Windkanal-Premiere im Aero Lab der BMW Group. Während sie die aerodynamische Erprobung weiterführten, widmeten sich die Experten in München ab Sommer auch der Gestaltung des Fahrwerks. Im Dezember 2013 kamen die neuen Komponenten erstmals auf der Strecke zum Einsatz, damals noch im BMW M3 DTM. Noch vor dem Jahreswechsel wurden die endgültigen Teile für das Chassis des BMW M4 DTM in Produktion gegeben, so dass die BMW Teams im Januar und Februar die ersten Modelle des neuen Fahrzeugs aufbauen konnten. 300 Tage nach dem ersten Test im Windkanal ging der BMW M4 DTM am 11. Februar 2014 zur Jungfernfahrt in Monteblanco auf die Strecke.

Produktion

Im Münchener BMW Stammwerk war 1991 das vorerst letzte BMW M Automobil gebaut worden, ehe die Produktion ins BMW Werk Regensburg wechselte. Nach fast 23 Jahren kehrte die Fertigung nun in das Stammwerk zurück – und nur einige Meter entfernt tüfteln die BMW Motorsport Ingenieure an der Rennversion des Fahrzeugs. Aber auch die BMW Werke in Regensburg und Dingolfing waren an der Entwicklung des BMW M4 DTM beteiligt. Unter anderem konnten die knapp einen Kilometer langen Einfahrbahnen der modernen Fertigungsstätten für aerodynamische Untersuchungen genutzt werden. Wo sich sonst alle BMW M Fahrzeuge einer eingehenden Qualitätskontrolle unterziehen, war auch das DTM-Auto für 2014 während der Entwicklungsphaseunterwegs.

Design

Tradition trifft Moderne: Hellblau, Dunkelblau und Rot sind seit jeher charakteristisch für das Motorsport-Engagement von BMW. Bereits in den 1970er Jahren waren BMW Rennfahrzeuge mit dem typischen Streifendesign international erfolgreich, heute geht unter anderem auch der neue BMW M8 GTE mit den traditionellen Farben im neuen Design an den Start. Markante und moderne Formen werden aus den drei Streifen des BMW M Logos abgeleitet. Gerade bei hoher Geschwindigkeit sind sie dank ihrer auffälligen und kontrastreichen Gestaltung besonders gut erkennbar. Die Livery ist eng mit den architektonischen Elementen des Fahrzeugs verbunden, etwa dem Hofmeister-Knick an der C-Säule. Sie verleiht dem ausdrucksstarken Design eine visuelle Logik und Struktur. Das vielschichtige Flaggen-Motiv betont den Wettbewerbsgeist im Motorsport sowie dessen ureigene Dynamik. Die von Funktionalität inspirierte Asymmetrie des mattschwarzen Elements auf der Fahrerseite der Motorhaube trägt das ikonische Thema der Fahrerorientierung aus dem BMW Innenraum-Design nach außen. Der keilförmige untere Teil steht für den Vorwärtsdrang des Fahrzeugs. Grundsätzliche Design-Elemente wie diese finden sich auf allen neuen Liveries der BMW M4 DTM für die Saison 2018 wieder und zeichnen sämtliche BMW M Motorsport Fahrzeug-Designs aus.

Aerodynamik

Zur Saison 2018 haben die BMW Ingenieure den BMW M4 DTM nach den Vorgaben des neuen technischen Reglements überarbeitet. Dabei stand vor allem die Aerodynamik der Fahrzeuge im Vordergrund. Die Veränderungen folgen dem Motto „weniger ist mehr“: Der Abtrieb wurde um circa ein Drittel reduziert. Als Resultat stehen die Fahrer nun noch mehr im Vordergrund. Einige Modifikationen fallen auf den ersten Blick ins Auge. So wurde der Seitenkanal am BMW M4 DTM vereinfacht und die Seitenplatte im Bereich unterhalb der Türen entfernt. An der Front des Fahrzeugs kommt auf jeder Seite künftig nur ein so genannter „Aero-Flick“ zum Einsatz – und dieser ist auch noch kleiner als seine Pendants aus der Vorsaison. Die Basisgeometrie des Hecks ist erhalten geblieben, es gab allerdings auch dort einige Detail-Vereinfachungen in punkto Aerodynamik. Das Gesamt-Ergebnis: deutlich weniger Abtrieb und ein verringerter Luftwiderstand, der je nach Strecke zu höheren Top-Speed-Werten führen wird. Unter der Motorhaube des BMW M4 DTM entfällt 2018 das dritte Element an der Vorderachse. Somit gibt es nur noch vier konventionelle Seitenfedern, eine pro Rad. Der BMW M4 DTM wird sich deshalb 2018 beim Bremsen mehr bewegen. In Kombination mit den Aero-Anpassungen rückt damit die Fahrzeugbeherrschung der Piloten künftig noch mehr in den Mittelpunkt.

Leichtbau

Schon das BMW M4 Coupé ist ein Paradebeispiel für intelligenten Leichtbau. Der Hochleistungssportler bringt es auf ein Leergewicht von 1.497 Kilogramm – das sind 80 Kilogramm weniger als noch bei seinem Vorgänger. Diese Gewichtsersparnis wirkt sich positiv auf die Fahrdynamik und den Verbrauch aus. Möglich wurde dies durch den weitreichenden Einsatz von leichten Materialien wie kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) und Aluminium. Im Rennsport ist die Verwendung von Carbon ebenfalls weit verbreitet. Nahezu die komplette Karosserie des BMW M4 DTM besteht aus diesem ultraleichten und verwindungssteifen Werkstoff. Die Gewichtsersparnis und die damit verbundene Absenkung des Schwerpunkts sind maßgeblich für die Performance des Fahrzeugs auf der Rennstrecke. Das Gewicht des BMW M4 DTM inklusive Fahrer liegt bei 1.120 Kilogramm.

Sicherheit

Wie das BMW M4 Coupé bietet auch die Rennversion ein Höchstmaß an Sicherheit. Über 50 der insgesamt mehr als 5.000 Teile, aus denen sich der BMW M4 DTM zusammensetzt, sind Einheitskomponenten, die in allen DTM-Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Eines davon ist das Kohlefaser-Monocoque, das in Sachen Sicherheit im Motorsport Maßstäbe setzt. Mit integriertem Tank, einem Stahlüberrollkäfig sowie zusätzlichen Crashelementen schützt es den Fahrer bei einem Unfall wirkungsvoll. Auch Bauteile wie Getriebe, Kupplung, Dämpfer und Heckflügel sind in allen DTM-Rennwagen baugleich. So ist auch sichergestellt, dass die Entwicklungskosten im Rahmen bleiben. 

Motor

Der BMW P66 Motor im BMW M4 DTM leistet mit den vom technischen Reglement definierten Luftmengenbegrenzern ca. 480 PS. Er setzt sich aus 800 verschiedenen Komponenten zusammen und besteht aus 3.900 Einzelteilen. Beim Design des DTM-Antriebs macht sich BMW Motorsport das technologische Know-how der BMW Group gleich in vielerlei Hinsicht zu Nutze. Die an das BMW Werk Landshut angeschlossene High-Tech-Gießerei steuert wie auch bei der Fertigung des Sechszylinder-Reihenmotors für das BMW M4 Coupé die großen Gussteile wieZylinderkopf und Kurbelgehäuse bei. Die Bearbeitung der Gussteile, ihre Beschichtung sowie die nötige Wärmebehandlung erfolgen bei den entsprechenden Fachabteilungen in München. Der BMW V8 für die DTM ist Sprinter und Dauerläufer zugleich. So bewältigt der BMW M4 DTM die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in etwa drei Sekunden. Den acht BMW Fahrzeugen stehen lediglich zehn Motoren für die gesamte Saison zur Verfügung. Zuverlässigkeit ist somit eine entscheidende Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Die Kraftübertragung erfolgt über ein sequenzielles Sechs-Gang-Sportgetriebe mit pneumatischer Betätigung via Schaltwippen am Lenkrad. Das Getriebe zählt zu den Einheitskomponenten, die von allen DTM-Herstellern verwendet werden. Es verfügt über elf Vorgelege-Übersetzungen, mit denen die Ingenieure und Fahrer beim Set-up auf die jeweilige Strecke und die Motorencharakteristik reagieren können.

Lenkrad

Zusätzliche Statusanzeigen und eine individuelle Anordnung der Bedienelemente machen die Bedienung desLenkrads im BMW M4 DTM für den Fahrer komfortabel. Die einzelnen Knöpfe können je nach Wunsch des Piloten belegt werden. Wie beim Rennwagen lassen sich die Gänge auch beim BMW M4 Coupé je nach Ausstattung mittels Schaltwippen am Lenkrad wechseln.

Licht

Sowohl im BMW M4 DTM als auch beim Serienmodell BMW M4 Coupé können sich die Fahrer auf die Leistungsfähigkeit moderner LED-Scheinwerfer verlassen. Der Einsatz von Leuchtdioden (LED = Light Emitting Diodes) spart nicht nur Energie. Dank der deutlich kürzeren Reaktionszeit gegenüber herkömmlichen Glühlampen weiß der folgende Pilot früher, wenn ein Fahrer vor ihm verzögert. Und auf der Rennstrecke kommt es auf jeden Sekundenbruchteil an. Das von LEDs erzeugte Licht kommt zudem dem Sonnenlicht sehr nahe und ist damit für das Auge besonders angenehm.

Technische Daten BMW M4 DTM

  • Chassis: CFK- Monocoque mit integrierter Tank und Stahlüberrollstruktur; CFK- Crashelemente seitlich; CFK- Crashelemente vorne und hinten
    Länge/Breite/Höhe: 4.775 mm/1.950 mm/ca. 1.200 mm
  • Tankinhalt: 120 Liter
  • Motor: 90° V8-Saugmotor, 4 Ventile pro Zylinder, reglementbedingte Luftmengenbegrenzung auf 2 x 28,0mm
  • Hubraum: 4.000 ccm
  • Leistung: ca. 480 PS (mit Luftmengenbegrenzer per Reglement)
  • Max. Drehmoment: ca. 500 Nm
  • Motorsteuerung: Motorelektronik Bosch MS 5.1, zentrales Display
  • Getriebe: sequenzielles 6-Gang-Sportgetriebe, mit pneumatischer Betätigung über Schaltwippen am Lenkrad; 4-Scheiben-ZF-CFK-Kupplung; einstellbares Lamellen-Sperrdifferenzial
  • Vorderachse/Hinterachse: Doppelquerlenker-Achse mit Druckstreben und 6-fach verstellbaren Stoßdämpfern; H&R Schraubenfedern
  • Bremsen: hydraulische Zweikreisbremsanlage; Monoblock-Bremssättel aus Leichtmetall; innenbelüftete Kohlefaser-Bremsscheiben vorne und hinten; Bremskraftverteilung vom Fahrer stufenlos einstellbar; elektromagnetisches Startventil
  • Räder: Schmiedefelgen aus Aluminium; 18″ x 12″ vorn, 18″ x 13″ hinten
  • Reifen: Hankook; vorne: 300-680-18, hinten: 320-710-18